TikTok

welche Risiken Eltern kennen sollten
TikTok - Informationen für Eltern

Was ist TikTok?

TikTok ist die Social-Media-App, welche die meisten Kinder und Jugendlichen nutzen und auf der man Kurzvideos anschauen oder selbst posten kann. Angefangen als Plattform für Tanz- und Playback-Videos, ging es bei TikTok schon immer um reine Unterhaltung. Die positive Seite davon ist, dass schon junge Nutzer vielfältige, kreative Möglichkeiten haben, sich zu verwirklichen, innovative Techniken des Filmens auszuprobieren und dabei die eigene Medienkompetenz zu fördern. Aber sind wir mal ehrlich: Viele Kinder und Jugendliche verfolgen dabei das Ziel, möglichst erfolgreiche Inhalte zu produzieren und damit berühmt zu werden. 

Gefährliche Inhalte

Das Problem dabei ist, dass bei den Kurzvideos auf TikTok, noch mehr als bei anderen Plattformen, der Grundsatz gilt: Je extremer, desto erfolgreicher. Und so wundert es nicht, dass viele Videos grenzüberschreitende Inhalte zeigen, welche nicht kindgerecht sind, so wie z. B. Gewaltvideos oder andere verletzende, destruktive Inhalte. Es ist auch bekannt, dass solche schockierenden Inhalte, welche natürlich entsprechend hohe Aufmerksamkeit erhalten, von der Plattform gezielt gepusht werden, damit sie noch mehr Menschen erreichen. Im Gegensatz zu anderen Social-Media-Plattformen, welche klare Regeln und Strukturen haben, gerade in Bezug auf gewaltvolle Inhalte und den Jugendschutz, gibt es bei TikTok kaum Regeln oder Einschränkungen. 

TikTok Challenges

Hinzu kommt, dass der chinesische Staat in der Unternehmensführung des Mutterkonzerns von TikTok sitzt und wohl auch gezielt Einfluss nimmt – wie genau, weiß man nicht. Was man weiß: Unseren Kindern werden Inhalte gezeigt, die chinesischen Kindern auf der entsprechenden Plattform (in China heißt TikTok „Douyin“) niemals gezeigt würden. Ein großes und weitverbreitetes Risiko sind die sogenannten TikTok Challenges –  Herausforderungen und Mutproben, deren Videoaufnahmen besondere Aufmerksamkeit erhalten und somit zum Nachahmen anregen. Aktuell hält die „Hot Chip Challenge“ Eltern und Schulen in Deutschland und auf der ganzen Welt in Atem. Der schärfste Chip der Welt, welcher nur mit einem mitgelieferten Gummihandschuh angefasst werden sollte, wird verzehrt und die Reaktion auf Video festgehalten. Der Verzehr kann unter anderem zu Atemproblemen führen, und da der Hot Chip nicht für Kinder geeignet ist, mussten schon mehrere Schulen wegen dieser Challenge den Rettungsdienst alarmieren. Dies ist aber nur ein Beispiel, es gibt viele weitere destruktive Challenges, welche schon zu Bränden an Schulen oder gar zum Tod von Kindern und Jugendlichen geführt haben (mehr Infos zu solchen Challenges findest du auf meinem YouTube-Kanal). 

Was können Eltern tun?

Was sollten also Eltern tun? Verbote nützen zwar nicht viel, weil solche Challenges und Videoinhalte im Freundeskreis der Kinder thematisiert werden, aber sie schränken den Einfluss definitiv ein. So oder so sollten Eltern Interesse zeigen und möglichst vorurteilsfrei eine offene Gesprächsebene mit ihrem Kind zu diesem Thema suchen. Das Kind sollte Vertrauen aufbauen können und wissen, dass seine Eltern nicht wegen jeder Kleinigkeit in Panik geraten, sondern auch mal lustige Unterhaltung schätzen (welche auf TikTok ebenfalls unendlich vorhanden ist). Eltern haben die Aufgabe, Inhalte einzuordnen und damit für ihr Kind Klarheit zu schaffen, wo gewisse Grenzen liegen. Eine solche Grenze könnte sein: Wenn ich mich oder andere gefährden könnte, sollte ich lieber die Finger davon lassen – trotz mitgeliefertem Gummihandschuh! 

Text: Ben Fisch

Ben Fisch ist dipl. Sozialpädagaoge BA und der erste Experte für Medienerziehung, der selbst auch ein Digital Native ist, also selbst mit digitalen Medien gross geworden ist und somit auch die Perspektive des Kindes und seiner Meidennutzung bestens kenn. Er führt den YouTube Kanal "Lösungen für Medienerziehung", coacht und berät Eltern und Institutionen mit seinen bewährten Strategien im Bereich der Medienerziehung und arbeitet als freier Autor.

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