Gut leben in Nürnberg, Fürth und Erlangen
angespannte Familienfinanzen
Familien haben es finanziell betrachtet oft schwer. Wie schwer, das verdeutlicht eine aktuelle Studie, die zeigt: Der Anteil der Bevölkerung, der sich nach eigenen Angaben einen einwöchigen Urlaub nicht leisten kann, betrug im Jahr 2024 21 Prozent. Das sind 17,4 Millionen Menschen. Am höchsten ist dieser Anteil bei Alleinerziehenden – mit 38 Prozent. Aber auch bei Familien mit zwei Erwachsenen und drei oder mehr Kindern können sich überdurchschnittlich viele (29 Prozent) keinen einwöchigen Urlaub leisten. Jedes fünfte Kind in Deutschland lebt in Armut. Kommunen und Initiativen wollen helfen, ein gutes Leben auch mit wenig Geld zu ermöglichen. Und auch diejenigen, die das Privileg haben, nicht jeden Cent dreimal umdrehen zu müssen, setzen sich zunehmend mit Themen wie Leihen, Mieten oder Gebrauchtwaren auseinander – denn dass dieser Umgang mit den Dingen nicht nur den Geldbeutel, sondern vor allem auch unsere globalen Ressourcen schont, hat sich längst in den meisten Milieus und Schichten herumgesprochen.
steigende Lebenshaltungskosten
„Gab es in den letzten 12 Monaten einmal eine Situation, in der es schwierig war, die Ausgaben für Lebensmittel, Miete und andere Rechnungen zu bezahlen?“ Auf diese Frage antworteten im Jahr 2023 ganze 27 Prozent der Befragten mit „ja“. Das sind 9 Prozentpunkte mehr als noch zwei Jahre zuvor, so die „Wohnungs- und Haushaltserhebung Leben in Nürnberg 2009 - 2023“, die in regelmäßigen Abständen von der Stadt Nürnberg durchgeführt wird, um einen Überblick über die Wohn- und Lebensverhältnisse der Nürnberger Bevölkerung zu erhalten. Steigende Mieten, hohe Energiekosten und Lebensmittelpreise machen gerade vielen Familien in Nürnberg und in der gesamten Metropolregion zu schaffen. Aufgrund der höheren Lebenshaltungskosten ist der finanzielle Spielraum für zahlreiche Menschen stark eingeschränkt.
Mangel in allen Lebensbereichen
Dabei bedeutet Geld auch Sicherheit und die Möglichkeit, Angebote wahrzunehmen: „Geldknappheit bedeutet nicht nur materielle Not, sondern wirkt sich oft auch negativ auf Bildungschancen, Berufsperspektiven, Gesundheitszustand, kulturelle Teilhabe und Mobilität aus. Menschen, die in Armut leben, haben zudem leider oft weniger soziale Kontakte und Netzwerke.“ so Elisabeth Ries, Sozialreferentin der Stadt Nürnberg. „Uns ist es sehr wichtig, Teilhabe für alle, unabhängig von finanziellen Gegebenheiten, zu ermöglichen! Daran arbeiten wir in Nürnberg seit vielen Jahren.“
Unterstützung für Familien ... in Nürnberg
Das wichtigste Instrument der Kommune, Teilhabe zu fördern, ist der Nürnberg-Pass. Er bietet über Nutzerinnen und Nutzern vergünstigten Zugang zu Bildungs-, Freizeit-, Kultur- und Sportangeboten oder dem öffentlichen Nahverkehr. Außerdem organisieren alle Städte und viele Einrichtungen, Vereine und Verbände zahlreiche kostenfreie und kostengünstige Angebote. Ergänzend gibt es ein umfassendes Beratungsangebot und es können materielle und finanzielle Unterstützungsangebote in Anspruch genommen werden.
Um Familien und auch Fachkräften und Beraterinnen und Beratern einen guten Überblick zu verschaffen, hat das Nürnberger Bündnis für Familie, in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt und mit Unterstützung der Sparda-Bank Nürnberg, eine Broschüre erstellt: Das Heft mit dem Titel „Gut leben in Nürnberg. Günstige und kostenlose Angebote für Familien“ enthält über 200 Leistungen und Angebote.
... in Fürth
„Familieninfo Fürth“ heißt der Wegweiser für Familien in der Kleeblattstadt. Unter der Schirmherrschaft des Fürther Bündnis für Familie werden auf der entsprechenden Webseite Online-Unterstützung und zahlreiche Informationsinhalte zur Familienberatung präsentiert. Hier findet ihr alles zu Themen wie Geburt, Menschen mit Behinderung und deren Angehörige, Erziehungshilfe oder den kinder- und jugendärztlichen Dienst. Derzeit in Planung ist ein Stadtplan für Mütter und Väter: Darin ist verzeichnet, wo Mütter, die ihr Kind stillen wollen, und Väter auf der Suche nach einer Wickelmöglichkeit fündig werden. Auf der Seite der Familieninfo Fürth findet ihr Angebot zu Bildung und Betreuung, Kultur, Spiel, Sport und Freizeit und vieles mehr in alphabetischer Reihenfolge wie beispielsweise „Fürth bewegt“, das kostenlose Sportangebot für alle Altersklassen mit Kursen wie Gymnastik, Tanz oder Yoga, das „Kinderbuchhaus Fürth“, in dem Kinder von vier bis zwölf Jahren kostenlos Bücher ausleihen können und von erfahrenen Ehrenamtlichen darin beraten werden, welches Buch für ihre Altersstufe und ihren Kenntnisstand gerade das richtige Lesefutter ist.
Die Kulturtafel „kulturplus“ der Diakonie Fürth vermittelt kostenlose Eintrittskarten für Kultur-, Sport- und Freizeitveranstaltungen, um Menschen mit geringem Einkommen den Besuch zu ermöglichen. Beim „Spielgeräteverleih“ des Kreisjugendsrings Fürth könnt ihr Spielgeräte wie eine Beach-Volleyball-Anlage, Wasserrutsche, Hüpfburg, Spiele-Hüpflandschaft, Bungee-Run, Jonglierkiste, Schminkkiste, Zauberkoffer, Buttonmaschine, Stelzen, Riesenkreisel, Riesenbausteine etc. leihen, statt sie für den vielleicht nur einmaligen Gebrauch teuer anzuschaffen. Die Nachbarschaftshilfe „Nimm und Gib“ des Mütterzentrums funktioniert im Ringtausch: Der Teilnehmer bietet seine Fähigkeiten an. Für seine erbrachte Leistung erhält er eine Gutschrift, die er für eine Gegenleistung seiner Wahl eintauschen kann. Unter „Ferienbetreuung“ findet ihr alle Einrichtungen, die ein entsprechendes Programm anbieten, wenn es mit dem gemeinsamen Urlaub nicht klappt, und im „Offenen Familiencafé“ des Mütterzentrums Fürth können sich Väter, Mütter und Senioren täglich zum Frühstück treffen und sich, auch per PC, über Hilfen informieren – jeden Donnerstag von 9 bis 11 Uhr sogar mit kostenloser Kinderbetreuung.
... in Erlangen
In Erlangen entdecken Eltern und Kinder gemeinsam, wie schön es ist zu teilen, zu tauschen und Dinge zu reparieren. Wer bewusst handelt, schont nicht nur die Umwelt, sondern zeigt den Kleinsten ganz nebenbei, wie Verantwortung und Gemeinschaft im Alltag aussehen können. Die Erlanger Verschenkbörse zum Beispiel ist eine digitale Plattform, auf der gut erhaltene Dinge wie Kleidung, Spielzeug oder Haushaltswaren kostenlos angeboten und abgeholt werden können, ganz unkompliziert. Wer die Sache(n) lieber in die Hand nimmt, wird im Umsonstladen „FreeWilly“ fündig. Einfach was mitbringen und was Neues mitnehmen. Neben dem Laden gibt es einen Nähsalon mit offenen Werkstattzeiten sowie Workshops rund ums Reparieren und Upcycling. Für Liebhaber edler Secondhand-Mode ist die Boutique Stellabella Vintage in der Nürnberger Straße ein besonderer Tipp. Hier finden sich Designer- und Markenware, Schuhe und Schmuck – perfekt für besondere Anlässe. Ergänzend dazu bieten das Sozialkaufhaus und die Tauschzentrale eine große Auswahl an günstiger Kleidung für Babys, Kinder, Jugendliche und Schwangere. Und wer lieber auf Flohmärkten stöbert: Auf dem Westparkplatz oder dem Bohlenplatz lassen sich regelmäßig kleine Schätze finden. Wobei letzterer übrigens der älteste Trödelmarkt Frankens sein soll.
Gemeinsam nutzen statt neu kaufen lässt sich in Erlangen übrigens ebenfalls gut: Der Stadtjugendring verleiht Spielgeräte wie Hüpfburgen oder Riesenspiele, ideal für Feste mit Kindern. In der offenen Werkstatt „RaumTeiler“ stehen Werkzeuge bereit, ergänzt durch ein Repaircafé, nach dem gleichen Prinzip wie die Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt im E-Werk. Zum Orientieren rund um die zahlreichen Angebote gibt es in Erlangen eine Reihe kostenfreier Broschüren und Online-Publikationen. Die halbjährlich erscheinende Broschüre „Familien-ABC – Eltern.Wissen.Mehr“ informiert mehrsprachig über Familienbildung, finanzielle Hilfen und Veranstaltungen auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Für die Ferienplanung hilft die Ferienbetreuung, die viele kostenfreie oder ermäßigte Programme beinhaltet. Und wer Anspruch auf den ErlangenPass hat, kann die meisten Angebote noch günstiger nutzen.
Text: Katharina Wasmeier & Nicole Hummel (Bündnis für Familie), Simone Blass
Weitere Informationen gibt´s unter:
www.bff-nbg.de
www.familienblog.nuernberg.de
www.familieninfo-fuerth.de
erlanger-familienbuendnis.de