Auf Überholspur in Singapur

Heldenreich
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Sie wurden bayerische, dann deutsche Meister und im Herbst 2023 sogar Weltmeister in Singapur. Sechs Schüler des Erlanger Marie-Therese-Gymnasiums gewannen den internationalen Technologiewettbewerb „Formel 1 (F1) in Schools“, bei dem Schüler Miniatur-Formel-1-Autos entwickeln, fertigen und präsentieren. Wir trafen die Sieger an ihrer Schule: Amélie (16), Timon (18), Caroline (18), Benno (18) und Marleen (17). Nur Finn (17) konnte beim Gespräch nicht dabei sein.

Ein Treffen, das mit Gänsehaut beginnt. Die Schüler zeigen einen YouTube-Film mit den Highlights der „F1 in Schools“-Weltmeisterschaft. Singapurs Skyline, Messestände, Teambilder – 68 Teams aus 26 Ländern nahmen teil. Schnelle Schnitte, dazwischen ein Runterzählen: „Three, two, one“, und kleine Formel-1-Wagen schießen davon – bis zu 80 km/h auf einer Strecke von 20 Metern, angetrieben von einer Gaspatrone. Nur 1,090 Sekunden dauerte die Siegerfahrt der Erlanger. Ein schneller Beat, im Refrain die Worte „Get on your feet“, und die sechs Weltmeister springen Hand in Hand vom Siegerpodest in Singapur.

Mit dem Sieg gelang ihnen, was noch kein deutsches Team vorher schaffte. Stolz berichten sie im Klassenraum von ihrem Weg. Marleen als Konstrukteurin erstellte die technischen Zeichnungen mit CAD-Software. Einen kritischen Moment habe es in der Entwicklung gegeben, als sie das Mindestgewicht fürs Auto überschritten. Nur ein Kriterium aus 60 Seiten Regelwerk. „Innerhalb von einer Woche mussten wir neu konzipieren“, so Marleen. Am Ende wog der Wagen 50,05 Gramm.

Bennos Steckenpferd sind die Geschwindigkeit und Aerodynamik. Er machte virtuelle Tests und Windkanalsimulationen. Timon baute das Auto. Einzelteile wurden 3D-gedruckt, später gefräst und lackiert. „Ich habe zum ersten Mal eine Normalverteilung berechnet und gelernt, Aufwände abzuschätzen“, beschreibt Timon seine Highlights. Für das Fräsen, Testfahrten, Windkanal-Tests und die Finanzierung holten sich die Schüler Partner und Sponsoren aus Wissenschaft und Wirtschaft in der Region dazu.

Da kam Caro ins Spiel, verantwortlich für Marketing, Kommunikation und die Projektpartner. „Ich hatte Kontakt mit Menschen, die ich sonst nie kennengelernt hätte, wie zum Beispiel dem CFO von Siemens“, schwärmt sie. Newsletter, Teamkleidung, der eigene YouTube-Kanal und Social-Media-Inhalte zahlten auf die Team Identity ein. Hier war Finn Meister des Films und des digitalen Designs. Projektmanagerin Amélie sorgte mit agilen Methoden dafür, dass alles nach Plan lief. Sie verrät: „In den Sommerferien arbeiteten wir in drei verschiedenen Zeitzonen. Richtig effizient waren wir in den drei Wochen vor der WM.“ 

Zum Showdown in Singapur mussten alle ran: auf Englisch am eigenen Messestand und in Interviews zu drei Portfolio-Präsentationen überzeugen. Das und die monatelange Arbeit an einem gemeinsamen Ziel habe sie wachsen lassen. Was neben dem Weltmeistertitel noch bleibt: Freundschaft. „Das Projekt wird uns immer verbinden“, meint Amélie optimistisch.
Bildunterschrift

Text: Petra Häfner

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