Nachhaltig Klamotten shoppen

Fairkauft: Shopping und Nachhaltigkeit
Fairkauf - nachhaltig Kleidung kaufen

Shopping und Nachhaltigkeit können wunderbar miteinander, nämlich dann, wenn man mit Hirn, Herz und Verstand kauft. „Ich bin gegen Mode, die vergänglich ist. Ich kann nicht akzeptieren, dass man Kleider wegwirft, nur weil Frühling ist“, sagte einst schon Coco Chanel. So ist es.

Fast Fashion

Im Durchschnitt besitzt jede erwachsene Person (18–69 Jahre) in Deutschland 95 Kleidungsstücke (ohne Unterwäsche und Socken) – manche weniger und gar nicht so wenige auch mehr. Das sind laut Greenpeace etwa 5,2 Milliarden Kleidungsstücke allein in der Bundesrepublik. Inzwischen ist es (fast) schwierig, dem Massenkonsum dank günstiger Preise sowie ständig wechselnder Kollektionen zu entgehen. Fast Fashion nennt sich das Phänomen. Was auf den ersten Blick verlockend, weil günstig wirkt, geht auf den zweiten auf die Kosten derer, die am anderen Ende dieser Produktionskette hängen: 3500 krebserregende und anderweitig giftige Chemikalien stecken beispielsweise in einem Kleidungsstück aus Bangladesch. Gifte, die in den produzierenden Ländern ins Grundwasser gelangen und sich rund um den Globus ausbreiten – selbst in der Leber von Eisbären fand man Reststoffe.

Gefertigt wird in Fabriken unter fürchterlichen Arbeitsbedingungen von bis zu 16 Arbeitsstunden täglich – knapp die Hälfte davon ohne Bezahlung oder zu Löhnen, die das eigene Überleben der Näherinnen und Näher kaum sichern können. Allein in Asien schuften mehr als 62 Millionen Kinder an Shirts, Röcken und Hemden, die dann als Dank in unseren Kleiderschränken verstauben oder gar niemals getragen werden, deren Herstellung aber Unmengen Ressourcen verbraucht, die wir eigentlich nicht haben: Rund 7000 Liter Wasser verbraucht die Produktion einer einzigen Jeans.

Alternativen zur Ressourcen-Verschwendung

In oben genannter Greenpeace-Studie gab aber mehr als jeder zweite Deutsche an, innerhalb eines Jahres Hosen, Schuhe und Shirts auszusortieren. Gründe: Gefällt nicht, passt nicht mehr, fällt auseinander. Ist das fair? Nein – denn es gibt Alternativen!

Grundsätzlich gilt: Neu kaufen solltet ihr nur das, was ihr wirklich braucht, was aus guter Qualität besteht und somit möglichst lange hält. Beim Einkaufen solltet ihr zudem auf entsprechende Labels achten (z. B. FWF (Fair Wear Foundation), OEKO-TEX, Global Organic Textile Standard (GOTS) oder Naturtextil IVN zertifiziert BEST). Allesamt Standards, die euch ökologisch, sozial und nachhaltig garantieren, dass ihr mit gutem Gewissen zuschlagen könnt. Der kleine aber sehr feine Laden „Lysu“ in der Oberen Wörthstraße in Nürnberg zum Beispiel hat sich sehr vorbildlich auf faire und selbstverständlich (dadurch) fabelhafte Kindermode spezialisiert. Das sieht gut aus und fühlt sich obendrein noch richtig an.

Second-Hand

Noch viel besser als neu zu kaufen ist es, auf Gebrauchtes zu setzen. Wer jetzt noch denkt „Igitt – ich zieh’ doch nichts Muffeliges an, das weiß der Geier wer schon getragen hat“, dem sei gesagt: Totaler Blödsinn! Second-Hand-Kaufen ist nicht nur nachhaltig, sondern en vogue, denn viele Influencer und Fashion-Addicts vertickern ihre zweimal getragene Ware on- und offline auf den Hofflohmärkten, in Second-Hand-Shops und Kleiderbörsen dieses Landes – und zwar häufig zu einem Bruchteil des Ursprungspreises. Der Kultladen Vinty’s im Nürnberger Stadtteil Gostenhof macht vor, wie cool man Vintage stylen kann und verbindet ökologischen Umgang mit Mode mit dem Engagement für die Eine Welt. Mit den Verkaufserlösen unterstützt der Shop Entwicklungsprojekte in vielen Ländern. Der mit Nürnberg, Fürth und Ansbach mittlerweile an drei Standorten gefeierte Shop „La Cola“ von Secondhand-Pionierin Brini hat in Fürth unlängst Deutschlands ersten nachhaltigen Textil-Discounter eröffnet.

Aber auch online gibt es jede Menge toller Second-Hand-Alternativen wie zum Beispiel vinted.de oder den wunderbaren Shop Wolfskind aus München: Hier bestellt ihr nämlich „NIX NEUES“, indem ihr zwei beliebige Kinder-Kleidungsstücke eurer Wahl in einen Beutel packt; nach zwei Wochen bekommt ihr dann „NIX NEUES“ zurück, indem Atelier Wolfskind etwas zauberhaft Passendes aus den Teilen genäht hat. Eine großartige Idee, von der wir uns mehr wünschen. Nachhaltigkeit ist das neue IT-Piece, sagen wir euch – und es steht allen so gut!

In unserem großen Basarkalender findet ihr die Termine für Kindersachenflohmärkte in der Region. Wenn ihr selbst einen Basar veranstaltet könnt ihr ihn dort auch direkt melden. Die Adressen von Second-Hand Läden für Kinder in der Region findet ihr hier. 

 

Text: Astrid Schmitt, ELMA #17 August/September 2022

 

Weitere Artikel