Jugendschuldnerberatung
Viele junge Menschen haben für ihre Fragen und Probleme nicht immer die richtigen Ansprechpartner. Genau hier setzen die Themencafés der Jugendinformation Nürnberg an: unkompliziert, kostenfrei und mit echtem Praxisbezug. Eines dieser Angebote ist das Themencafé „my.cash“, das Jugendlichen seit 2019 hilft, den Überblick über ihre Finanzen zu behalten oder aus einer möglichen Schuldenfalle wieder herauszufinden. ELMA hat sich mit Almut Büttner vom Institut für Soziale und Kulturelle Arbeit (ISKA) unterhalten. Im Interview spricht sie über typische Schuldenfallen und warum Prävention der wichtigste Schritt ist.
Welche Formen der Verschuldung begegnen Ihnen denn in der Beratung am häufigsten bei jungen Erwachsenen?
Zwischen 18 und 26 sind es vor allem Handyverträge mit teuren Geräten, Fitnessstudioverträge oder Online-Angebote wie „Buy Now, Pay Later“ – also Ratenkäufe über Klarna, PayPal und Co. Oft fehlt schlicht der Überblick. Viele haben nicht gelernt, wie man mit Geld umgeht, wie man Verträge liest oder wie man Post richtig bearbeitet. Es beginnt ganz banal: Briefe zeitnah öffnen, Fristen beachten … Ohne diese Struktur entstehen schnell Schulden. Manche bringen dann einen riesigen Stapel ungeöffneter Briefe mit zu uns.
Welche Rolle spielen hier soziale Medien und Werbung?
Die Angebote wirken harmlos: niedrige Raten, kaum Zinsen. Aber genau das macht sie so gefährlich. Sie sprechen besonders junge Menschen an, die sich Wünsche erfüllen wollen, ohne das Geld dafür zu haben. Die Anbieter investieren massiv in Werbung und setzen darauf, dass wir Menschen eher optimistisch in die Zukunft blicken.
Und was passiert dann in der Beratung?
Die Hemmschwelle ist natürlich hoch. Die Jugendlichen melden sich online über die Jugendinformation an, nennen vorab schon die Themen, damit wir uns vorbereiten können. Manche bringen konkrete Fragen mit, andere haben gerade einen Vertrag abgeschlossen, den sie nicht wollten, zum Beispiel bei unseriösen Online-Lernplattformen oder betrügerischen Angeboten. Wir sortieren mit ihnen, klären, was überhaupt passiert ist, und helfen, einen klaren Weg zu finden.
Welche Lebensereignisse führen besonders häufig zu Schulden?
Oft ist es eine Kombination: Ausbildungsabbruch, Auszug von zu Hause, Wegfall von Unterhalt, kein Anspruch auf BAföG, Schwierigkeiten mit der Krankenkasse etc. Wer nicht früh gelernt hat, mit solchen Situationen umzugehen, steht schnell alleine da. Da fehlt oft das Wissen, wie man mit Behörden kommuniziert oder welche Rechte man hat. Diese Situationen machen Angst, und genau da setzen wir an. Unsere Aufgabe ist es dann, die jungen Menschen ein Stück zu begleiten, damit sie wieder Selbstwirksamkeit spüren: Du kannst etwas tun. Du bist nicht nur ausgeliefert. Wir zeigen ihnen, dass es Auswege gibt.
Wie steht es um die finanzielle Bildung an Schulen?
Es gibt einzelne Module wie unser Projekt „Moneycheck“, das Schulen buchen können. Aber die Lehrkräfte müssen das zusätzlich stemmen, das braucht Engagement und Zeit.
Frau Büttner, wie haben Sie Ihren Kindern den Umgang mit Geld beigebracht?
Mir war wichtig, dass sie früh lernen: Man kann nur mit dem Geld umgehen, das man wirklich hat. Kein Ausgeben „auf Vorrat“, auch nicht in der Hoffnung, dass die Eltern einspringen. Sie sollten verstehen, was Geld wert ist und dass auch kleine Schulden ernst zu nehmen sind. Wir haben den Kindern zum Beispiel schon früh ein eigenes Konto ohne Überziehungsmöglichkeit eingerichtet, damit sie bargeldloses Zahlen üben konnten. Uns war unter anderem wichtig, dass sie erkennen: Beim Bargeld sieht man sofort, wenn’s weg ist, auf dem Konto merkt man es oft zu spät. Und dass sie lernen, in diese Dinge Struktur zu bringen. Aber ganz ehrlich gesagt: Ich selbst hefte auch nicht alles sofort ab. Aber ich hab mir angewöhnt, es nicht zu lange liegen zu lassen. Sonst fällt’s einem irgendwann auf die Füße. Wer früh lernt, damit umzugehen, kann sich im wahrsten Sinne des Wortes viel ersparen.
Interview: Simone Blaß