Aussichtstürme in der Region

Gute Aussichten
Sinnwelturm Nürnberg, Aussichtstürme Franken

Der Mensch strebt nach oben – und das nicht nur, weil da die Luft oft besser ist. Sondern weil er sich einen Überblick verschaffen möchte oder Feinde erspähen, endlich einmal im Kreis schauen können oder einfach wissen, wie das Wetter weiter hinten eigentlich so ist. Weil aber nicht überall grad zufällig ein passender Berg herumsteht und das Mammutbäumekraxeln grad hierzulande nicht jedermanns Sache ist, baut der Mensch sich eben seine Aussichtstürme selbst: in Wälder hinein oder auf Wiesen oder weil man eh grad schon dabei ist, kurzerhand noch auf eine Burg hinauf. Das Schöne ist: Die meisten davon kann man heut mit ein bisschen Treppentrittsicherheit einfach so besuchen. Und das Schönste ist: Von so einem Aussichtsturm aus kann man nie nach hinten schauen, sondern immer nur nach vorne. Ein idealer Zeitpunkt also, hier mal so ein paar schöne Nachvorneschau-Gelegenheiten vorzustellen.

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Sinwellturm Nürnberg
Mit 47 Metern ist der 1377 errichtete Wachturm „Luginsland“ zwar der höchste der Nürnberger Kaiserburg, doch der wahre Star des Ensembles befindet sich unwesentlich weiter westlich: der Sinwellturm misst zwar nur 41 Meter, liegt aber baulich höher und überragt seinen Freund um einiges. Praktisch: Wer die 113 Stufen des „gewaltig runden“ erklimmt, hat nicht nur unverbauten Blick rundum, sondern kann auf 389 m.NN gleich noch prüfen, ob die „Blaue Agnes“ vielleicht daheim ist. Ist seit 2018 wegen Renovierung geschlossen, macht aber irgendwann wieder auf. Wahrscheinlich. (ÖZ Apr-Sep 9-18, Okt-Mär 10-16)

Schmausenbuck Nürnberg
Die nach einem Rotbierbrauer benannte Erhebung war mit 390 Metern (NN) bis zur Eingemeindung von Brunn die höchste ihrer Art im Nürnberger Stadtgebiet. Seit Ende des 19. Jahrhunderts thront obenauf der Aussichtsturm, den winterliche Besucher des Tiergartens durch die blattlosen Bäume erspähen und ansonsten Bikern, Spaziergängern und Schlittenfahrer wohlbekannt ist. Der Turm misst 29 Meter und liegt damit auf 413,87 m.NN. (ÖZ Mai-Sep sonn- & feiertags 13-17)

Bleistift Cadolzburg
Woher der Spitzname kommt, ist unklar, klar hingegen im besten Fall die Sicht: Wer die 25 Meter und 143 Stufen des Cadolzburger „Bleistift“ erklimmt, wird mit Fernblick, Obstblüte und Rangau belohnt. Der Turm hat mit der Burg nur bedingt zu tun, schließlich wurde der Aussichtsturm erst Ende des 19. Jahrhunderts der 1250 erbauten Cadolzburg hinzugefügt. Egal! (ÖZ So 8-18 Uhr)

Alte Veste Zirndorf
Der „Burg Berch“ hat eine bewegte Geschichte hinter sich, von der größtenteils Ruinen übrig sind – und ein ziemlich junger Turm, der erst 1080 eingeweiht wurde und sich in Windeseile zum Wahrzeichen Zirndorfs entwickelt hat. Der kostenlose Besuch verheißt bei gutem Wetter aus 30 Metern guten Blick bis hinab ins Altmühltal, am Fuße des Turms liegen Reste des 30-jährigen Kriegs. (ÖZ Apr-Okt 8-20, Nv-Mär 8-18)

Moritzberg
Er setzte dem Nürnberger „Hausberg“ gierig eine Krone auf – und wurde dafür bestraft: Ab 1910 errichtet, gab es lange Zeit vom ursprünglich als „Bismarckturm“ geplanten Aussichtsturm den perfekten Blick über die Frankenalb erst auf 21 Metern, dann auf 30 und damit 601 m. NN. Doch so ein Pech: Die Natur ist schneller bzw. größer und hat den schönen Ausblick mittlerweile weitestgehend zugewuchert. (ÖZ Mai-Okt Sonn- & Feiertage bei gutem Wetter, Mi-Sa Schlüssel erhältlich in Moritzberg Gaststätte)

Hohenmirsberger Platte
Eine der höchsten Erhebungen der Fränkischen Schweiz ist auf 614 m NN die Hohenmirsberger Platte nordöstlich von Pottenstein. Der dazugehörige hölzerne Aussichtsturm legt nochmal 30 Meter und ein Geozentrum obendrauf. Wer hierher kommt, klopft auf Holz – und nach Fossilien! (ÖZ 24 h)

Vogelinsel Muhr am See
Nicht besonders hoch, dafür besonders schön gelegen ist dieses Türmchen am Altmühlsee: Wie der Name schon verrät gibt es hier vielfältige Flora und Fauna zu entdecken, die noch dazu in einen vom Landesbund für Vogelschutz betreuten (und barrierefreien!) Rundweg ab Muhr am See gekleidet ist. (ÖZ 24 h)
Hüßberg Steigerwald, Markt Bibart und ein grünes Waldmeer: Der Naturwanderpfad der Gemeinde führt schnurstracks auf 30 Meter – gesetzt den Fall, man kraxelt eine Handvoll Holzstufen hinauf. Lohnt sich aber. (ÖZ 24h)

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Ossinger
Links die Oberpfalz, rechts die Fränkische Alb – oder umgekehrt? Da kann einem schonmal schwindlig werden auf dem mit 651 m NN höchsten Berg des Oberpfälzer Jura, dessen politische Zugehörigkeit anders ist als die geographische. Am besten, man macht sich ein eigenes Bild von der Lage: Seit 2013 gibt’s auf dem Ossinger-Gipfel einen 22 Meter hohen Aussichtsturm. (ÖZ 24h)

Hohes Kreuz
Achtung, wer sich auf 644 m. NN wiederfindet ist, nicht nur 100 Meter zu hoch, sondern auch ein paar hundert Kilometer zu weit nach Süden gefahren. Unser fränkisches „hohes Kreuz“ liegt ganz bescheiden nur auf knapp 522 Metern auf dem „hohlen Berg“ im Wiesenttal, zeigt aber ganz unbescheiden einen irren Blick bis hinauf ins Fichtelgebirge. (ÖZ 24h)

Schneeberg
Was haben das Fichtelgebirge und ein Backöfele gemeinsam? Ganz einfach: den höchsten Berg Frankens und Nordbayerns. Der Schneeberg wiegt stolze 1051 m NN und ist weithin sichtbar dank eines ehemaligen Fernmeldeturms der Bundeswehr und Mahnmals aus dem Kalten Krieg. Das „Backöfele“ wirkt mit seinen 14 Metern dagegen ziemlich mickrig, setzt dem Berg aber das aussichtsplattformige i-Tüpfelchen auf, von dem aus man nicht nur einen Wahnsinnsblick ungefähr bis nach Polen, an die Ostsee und nach Frankreich hat, sondern vor allem dem kleinen Bruder Ochsenkopf (1024 m NN) quasi auf den Kopf spucken kann.

Text: Katharina Wasmeier, ELMa #14 Februar 2022

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