Dokumentarische Familienfotografie

Gespräch mit Fotografin Barbara Puchta
Barbara Puchta Dokumentarische Familienfotografie

Barbara Puchta ist lebt in Eckental und ist im Großraum und der Welt als dokumentarische Familienfotografin unterwegs. Ihr Bilder zierenden Titel der ELMA #14 und das komplette Kinderkram-Magazin 2019. Ihre Art der Fotografie zeigt Familien besonders lebendig und authentisch - wir haben mit Ihr über ihre Arbeit gesprochen. (Interview von 2019)

Liebe Barbara, hast Du als Fotografin schon immer so gearbeitet wie jetzt?

Angefangen habe ich mit der Neugeborenen-Fotografie die man im Moment oft sieht, bei der die kleinen porträtiert werden. Ich habe aber schnell gemerkt, dass das nicht das ist, was ich machen möchte. Viele Kollegen machen das toll, aber mir fehlte der Bezug zum Leben dieses Kindes, der Familie. Durch Zufall bin ich dann im Internet auf eine amerikanische Fotografin gestossen, die Familien ganz ungestellt fotografiert. Das hat mich sofort so angesprochen und ich wußte das ist eigentlich das, was ich machen möchte. Wenn ich eine Familie fotografiere oder auch ein Neugeborenes, dann möchte ich das im Kontext machen - zeigen wie das jetzt ist für die Familie, wie das Baby neu ankommt und in die Familie reinwächst, wie alles es bewundern.

Was ist für Dich der Kern der dokumentarischen Fotografie?

Worum es eigentlich geht ist, die Verbindungen in der Familie zu zeigen, die Liebe genauso wie das Chaos und die Anstrengung. Viele haben noch die Vorstellung beim Fotografen machen sich alle schick und schauen lächelnd in die Kamera. Aber oft fühlt man nichts, wenn man sich solche Bilder anschaut. Ich habe aus meiner eigenen Kindheit Bilder, die beim Fotografen gemacht wurden. Wenn ich die anschaue sehe ich, wie ich da ausgesehen habe und das ist natürlich ganz interessant aber es vermittelt mir kein Gefühl. Und dann gibt es da zum Beispiel ein Bild, da sitze ich mit meiner Mama am Boden und eigentlich sieht man uns nur von hinten. Aber wenn ich das Bild anschaue bin ich wieder in diesem Moment. Da war ich vielleicht fünf - und ich weiß noch genau wo das war und wie es mir ging an dem Tag. Und das ist aus meiner Sicht worum es geht bei Fotografie - das sich ein Gefühl transportiert beim Betrachter und ich dadurch Erinnerungen konservieren kann - und damit im übertragenen eine Kindheit konservieren kann. 

Wie läuft so ein Shooting dann ab?

Ich habe verschiedene Angebot, das heißt ich mache neben langen Reportagen auch kurze Shootings. Bei zwei Stunden mache ich eigentlich meist ein kurzes Vorgespräch per Telefon oder E-Mail mit Informationen zum Ablauf und so weiter. Ich erkläre zum Beispiel, dass nichts bestimmtes vorbereitet werden muss, weil das zuhause so sein soll, wie immer. Natürlich räumen die meisten dann trotzdem besonders auf, aber das ist in Ordnung (lacht). 

"Ich bin wie eine Freundin die gerade zu Besuch und nebenbei fotografiert."

Du fotografierst die Leute dann meist zuhause oder trifft man sich auch woanders?

Das kommt immer darauf an, wobei ich es zuhause am besten finde. Das ist am persönlichsten und zeigt am ehesten die Familiendynamik. Manchmal startet man zuhause und geht dann noch raus. Wenn ich den ganzen Tag fotografiere passiert das natürlich öfter, dass man auch zusammen etwas unternimmt wie Zoo oder Freibad und ich das dann fotografiere. Wichtig ist, dass eine Aktivität geplant ist, dann ist es eigentlich egal, wo wir uns befinden.

Während des Fotografierens bist Du Teil des Geschehens?

Ja, ich bin nicht „die Fliege an der Wand“. Ich bin unauffällig durchs auffällig sein. Ich mache alles mit, unterhalte mich auch die ganze Zeit mit den Familienmitgliedern, geh auch mit den Kindern mal alleine in ihr Zimmer. Das funktioniert natürlich besser, je mehr Zeit ich habe. Denn je länger ich da bin, umso echter werden die Situationen und ich kann richtig gute Momente einfangen. So entsteht eine ganz andere Atmosphäre. Ich bin mehr wie eine Freundin die gerade zu Besuch und nebenbei fotografiert.

Die Herangehensweise erfordert eine relativ gute Menschenkenntnis, das Antizipieren was als nächstes passieren könnte und Neugier und Menschenliebe vor allem. Ich finde das unheimlich spannend da in Familien zu gehen und zu kucken wie die so leben und Dinge angehen. Wie funktioniert bei denen Erziehung, wie gehen die miteinander um - ich finde da kann man unheimlich lernen fürs eigene Leben. Da ist es dann nicht nur Arbeit sondern immer auch schön, die Menschen kennen zu lernen.

"Ich versuche Momente zu erwischen, die später etwas erzählen."

Machst Du bei einer Reportage gar keine gestellten Aufnahmen?

Die meisten, die mich anfragen, haben sich mit dem was ich mache beschäftigt. Die wissen, worauf sie sich da einlassen und möchten genau solche dokumentarischen Bilder. Es gibt ja durchaus viele Menschen, die eine Scheu davor haben, sich fotografieren zu lassen und da zu sitzen und in die Kamera zu lächeln.
Viele fragen natürlich ob wir auch noch einmal ein gestelltes Familienfoto schießen und das mache natürlich auch. Aber das ist nur ein ganz kurzer Moment an so einem Tag - meist zum Ende hin. Wenn man sich schon gut kennen gelernt hat werden die dann auch entspannt und schön. Denn Rest der Zeit versuche ich Momente zu erwischen, die später etwas erzählen. 

Es gibt noch nicht sehr viele Fotografen, die dokumentarische Familienfotografie anbieten, oder?

Nein, leider nicht. Es gibt in Deutschland derzeit ein paar, die es sehr gut machen und es werden auch mehr. Aber viele machen eine Mischform aus gestellten Bildern, arrangierten Aufnahmen und Reportage und das verwässert dann leider die eigentliche Idee. Es gibt auch einen großen Unterschied zwischen dem gesamten Bereich Lifestyle, wo es sehr stark auch um Dinge wie Kleidung, Einrichtung und einen bestimmten Look geht, und der Dokumentation. Für die Kunden ist es einfacher zu unterscheiden, wenn jemand konsistent einen Stil verfolgt. Es ist wichtig, dass sie da buchen, was sie sich eigentlich wünschen.

Bleibt dann manchmal der Kontakt zu den Familien?

Manche Familien habe ich schon fünf mal fotografiert und da kennt man sich mittlerweile wirklich gut. Das ist oft wenn man sich beim Neugeborenen-Shooting kennen lernt oder ich sogar die Geburt fotografieren durfte. Das ist natürlich die intensivste Erfahrung und man hat eine echte Bindung zu den Kindern. Entbindungen sind eine ganz besonders schöne Aufgabe aber davon kann man nur wenige machen, weil es natürlich schwer zu organisieren ist rund um den Termin rufbereit zu sein. Es ist wirklich eine tolle Erfahrung wenn du da dabei sein darfst und dieses Wunder begleiten darfst. So viele Emotionen wie bei einer Geburt sieht man sonst nirgends.

Vielen Dank für Deine wunderbaren Fotos!!!
 

Barbara Puchta Fotografie
Neunhofer Str. 3 90542
Eckental 0171-2824304

www.barbarapuchtafotografie.de
Familienreportagen, Hochzeitsfotografie, Workshops

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