Die Freiheit hat ihren Preis

Was kostet der Führerschein?
Führerschein Kosten, Gefahren

Der Führerschein ist nicht nur ein Plastikkärtchen, sondern auch der heilige Gral der Unabhängigkeit. Er bedeutet: Nie wieder fragen müssen, ob jemand einen fährt, nie wieder zum letzten Bus hetzen, einfach losdüsen, wann und wohin man will. Doch auf dem Weg zur Freiheit liegt mehr als die Fahrprüfung.

Jugendliche im Straßenverkehr

Nicht überall fährt die U-Bahn alle fünf Minuten, es gibt mancherorts keine Nightliner, und das Elterntaxi ist auch nicht immer und allzeit willig, einen herumzukutschieren. Da klingt der eigene Führerschein – und sei es „nur“ der für einen Roller – nach der ganz großen Freiheit. Einer ziemlich kostspieligen Freiheit allerdings. Und einer, die so manchem Elternteil Bauchschmerzen bereitet: Jedes Jahr verunglücken rund 16.000 Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren im Straßenverkehr, mehr als 60 davon tödlich. Über die Hälfte der Verunglückten erwischt es mit dem Einstieg in die sogenannte motorisierte Mobilität, also bei den Führerscheinklassen AM oder A1. Wer diese Fakten mal kurz auf sich wirken lässt, schluckt schon mal kräftig bei dem Gedanken, dass das eigene Kind bereits mit 16 den Wunsch haben könnte, sich auf zwei motorisierten Rädern mitten in den Verkehrsdschungel zu begeben.

Begleitetes Fahren

Spätestens ab 17 kommt aber sowieso das Auto ins Spiel. Und mit ihm der Moment, in dem der Nachwuchs plötzlich der Tempowächter auf dem Beifahrersitz wird. Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit wird man auf die eigene Geschwindigkeit hingewiesen, aus Angst, man könne sich einen Punkt in Flensburg einhandeln und als Begleitperson ausfallen. Denn auch, wenn man mit 17 bereits ans Steuer darf, wirklich alleine fahren darf man erst mit 18. Das begleitete Fahren soll dafür sorgen, dass sich junge Menschen langsam an den Straßenverkehr herantasten. Was auch funktioniert, denn das Unfallrisiko sinkt nachweislich. Die Versicherung allerdings steigt, und zwar immens. Genauso wie das Streitpotenzial. Denn es ist in manchen Momenten alles andere als ein Spaß, ohne die einem Fahrlehrer zur Verfügung stehende zweite Bremse machtlos nebendran zu sitzen. Doch mal abgesehen von den Nerven, die man strapaziert, wenn der Nachwuchs auf diese Weise mobil wird: Das Ganze kostet eine Stange Geld. 

Das kostet ein Führerschein

Bei zwei Rädern sprechen wir bei einer Vespa von rund 1.000 Euro, beim Motorradführerschein bereits von rund 2.500 Euro und mehr, bei vier Rädern schätzt der ADAC die Kosten auf 2.500 bis 4.500 Euro, je nach Region und Fahrschule. Zu bezahlen sind schließlich nicht nur die Fahrstunden inklusive Nacht- und Autobahnfahrten, sondern auch eine Anmeldegebühr, Erste-Hilfe-Kurs, Sehtest, eventuell Schutzkleidung, TÜV- und Prüfungsgebühren – wobei es hier bei einem Mal oft nicht bleibt. Laut aktuellen Zahlen des TÜV-Verbands fiel zuletzt nahezu jeder zweite Fahrschüler bei der Theorieprüfung der Klasse B durch. Bei der praktischen Prüfung ist es immerhin noch ein Drittel. Und selbst, wenn er bestanden wird, der Führerschein allein genügt ja nicht. Da braucht es auch ein entsprechendes Fahrzeug, das wiederum neben den Anschaffungskosten auch Steuer und Versicherung kostet. Und wer denkt, kein Problem, kann ja mein Auto nehmen: Fahranfänger sind versicherungstechnisch die größte Gefahr und damit beim Mitversichern entsprechend teuer. 

Wer braucht einen Führerschein?

Ob man den Führerschein wirklich braucht, hängt natürlich stark davon ab, wo man lebt. Auf dem Land spielen ganz andere Kriterien mit hinein. Und natürlich entscheiden sich längst nicht alle Jugendlichen fürs eigene Fahren, sondern manche ganz bewusst dagegen. Gerade wer in der Stadt lebt, mit Bahn, Bus und Rad überall hinkommt, spart sich das Geld vielleicht lieber. Und auch der Umweltgedanke spielt eine immer wichtigere Rolle: Klimakrise, CO₂-Ausstoß, verstopfte Straßen, das alles verändert die Sicht auf den Führerschein. Verzicht nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Haltung. Auch das ist eine Form von Selbstständigkeit. Am Ende geht es sowieso um mehr als nur ums Fahren. Es geht ums Loslassen. Um Vertrauen und darum, dem eigenen Kind im wahrsten Sinne des Wortes das Steuer in die Hand zu geben. 

Text: Simone Blaß

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